Prof.
Gerhard Tötschinger

Schauspieler, Intendant und Schriftsteller

* 1946   † 2016

 

Lebenslauf

Gerhard Tötschinger wurde am 26. Juni 1946 in Wien geboren. Er besuchte das Akademische Gymnasium in Wien und maturierte im Jahre 1965. Danach studierte er Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, brach diese Studien jedoch bald ab. Hingegen nahm er Schauspielunterricht bei Zdenko Kestranek und Gesangsunterricht bei Arthur Karg-Bebenburg.

Premiere als Schauspieler

Er agierte ab dem Jahr 1966 als Schauspieler für das Theater, und war beginnend mit 1973 Intendant an verschiedenen Bühnen. Seine Premiere als Mime ging bei den Sommerspielen auf Burg Liechtenstein vor sich, wo er an der Seite von Gerhard Dorfer und Herwig Seeböck wirkte.

Intendant

Von 1973 bis 1977 war Tötschinger Intendant des Theaters im Burgenland, danach fungierte er bis 1981 als Oberspielleiter am Stadttheater Klagenfurt. Bis 1994 leitete er das "Fest in Hellbrunn" in Salzburg. Nach Umbrien verschlug es Tötschinger schließlich bis 1999, wo er als künstlerischer Leiter des Festivals Arteuropa in Todi verpflichtet wurde. Von 1999 bis 2001 leitete er die Sommerspiele in Perchtoldsdorf.

Schauspieler

Auch der Film war ein Metier, in dem sich Gerhard Tötschinger wohl fühlte. Im Jahre 1972 agierte er in einer kleinen Rolle in der Handke-Verfilmung “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter”. Ein Jahr später war er in insgesamt fünf Folgen der legendären Serie “Hallo - Hotel Sacher... Portier!” als Wagenmeister zu sehen. Später hatte er auch noch Rollen im “Tatort” und bei “Kommissar Rex” sowie der Serie “Julia, eine ungewöhnliche Frau”, wo seine Lebensgefährtin Christiane Hörbiger die Hauptrolle einer Richterin verkörperte.

Moderator des "Quiz in Rot-Weiß-Rot"

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Gerhard Tötschinger durch die Moderation des "Quiz in Rot-Weiß-Rot", das vom österreichischen Fernsehen von 1978 bis 1988 ausgestrahlt wurde. Die Sendung zeichnete sich dadurch aus, dass sie abwechselnd von den neun ORF-Landesstudios jeweils in einem anderen Bundesland im Funkhaus produziert wurde. Zwei Quiz-Kandidaten traten gegeneinander an, um den Sieger des Quiz auszuspielen. Die Fragen wurden teilweise von Prominenten gestellt. Hans-Peter Heinzl spielte einen Koch, dessen Rezepte der Wiener Küche immer einen Fehler aufwiesen, der von den Kandidaten erraten werden musste. Zudem gab es Telefonspiele, bei denen die Anrufer Preise gewinnen konnten.

Gerhard Tötschinger moderierte das Quiz souverän und mit dem Quentchen Wiener Schmäh, das eines der Erfolgsrezepte dieses Formats war.

32 Jahre Lebensgemeinschaft mit Christiane Hörbiger

Er war Vater einer Tochter. Nachdem seine Ehe geschieden wurde, lernte er 1984 Christiane Hörbiger kennen, mit der er bis zu seinem Tod zusammen war. Die Umstände, warum sie nicht geheiratet haben, ist kompliziert. Er hat ihn einmal im Rahmen eines Interviews erklärt. Er und seine Lebensgefährtin Christiane Hörbiger verkündeten nach 32-jähriger Partnerschaft im Juni 2016, bald heiraten zu wollen.

Autor

Gerhard Tötschinger machte sich auch als Autor einen Namen. Eine Leidenschaft von ihm war es, noch Unbekanntes zu erforschen. Seine Bücher sind weitgehend von wahren Geschichten ummantelt, denen er auf die Spur zu kommen versucht war. Besonders angetan hatten es ihm die Habsburger. Er schrieb über die Geschichte der Habsburger, die Berufe, welche sie ausübten, die Habsburger in Tirol und im Salzkammergut.

Sein letztes Projekt lag ihm besonders am Herzen. Er beabsichtigte, eine Reihe von Büchern zu schreiben und zu veröffentlichen, deren Fokus auf Geschichten der Wiener Bezirke liegt. Im Jahre 2015 erschien der erste Band, ein Sammelsurium an Geschichten, die sich rund um die Bezirke Innere Stadt, Leopoldstadt und die Landstraße drehen. Das Buch trägt den Titel “Von St. Stephan nach St. Marx: die Wiener Bezirke I, II und III; Wiener Geschichten für Fortgeschrittene” und wurde vom Amalthea Verlag veröffentlicht. Hierbei wird deutlich, welch ein großartiger Geschichtenerzähler Gerhard Tötschinger gewesen ist.

Gerhard Tötschinger über seine Kindheit, und wie wichtig ihm die Gesundheit war

“Ich habe in meiner Kindheit einiges mitgemacht. Da hatte ich eine Lungentuberkulose und konnte die erste Klasse der Volksschule nur zwei Monate lang besuchen. Die restliche Zeit bin ich im Bett gelegen, habe mit Hilfe meiner Familie lesen gelernt und auch ständig gelesen. Danach habe ich mir gedacht, ich will nie wieder ein Krankenhaus von innen sehen, und bin nur sehr selten zum Arzt gegangen. Ich habe auch nur selten ein Problem gehabt, wahrscheinlich weil ich in meinen jungen Jahren sehr sportlich gelebt habe. Ich war Leistungssportler, Basketballer und Leichtathlet. Aber auf der anderen Seite habe ich gern Pfeife geraucht und auch einmal einen Cognac oder Grappa getrunken...”

Gerhard Tötschinger berichtet, warum ihm sein linker Fuß Anfang 2009 amputiert werden musste

“Im Juni 2007 war ich mit dem Fahrrad unterwegs und bin im dichten Gras gegen niedere Mauern geprallt. Dabei habe ich mir die Schienbeine und die Sprunggelenke verletzt, und im Zuge dessen ist bekannt geworden, dass ich eine Venenerkrankung habe. Im Jänner 2009 habe ich dann ganz plötzlich hohes Fieber bekommen, 39,4 Grad. Da hat jeder an Grippe gedacht. Als meine Temperatur dann auf einmal auf 36 Grad gesunken ist, anschließend aber wieder gestiegen ist, bin ich ins AKH nach Wien gefahren – und ein paar Stunden später war der Fuß weg. Das war schon ein Schock! Ich hatte eine Sepsis, und wäre der Fuß nicht amputiert worden, wäre ich an der Sepsis gestorben. Daran denke ich, wenn ich eine Phase habe, in der ich mich wegen der Amputation selber bedauere. Und ich denke auch oft an meinen Vater, der im Krieg ein Bein verloren und auch sehr lang mit einer Prothese gelebt hat.”

Werke

Baden bei Wien. Reiseführer, 1974
Reinhard Tötschinger (Hrsg., Illustr.), Herbert Hochhofer (Fotogr.), —: Baden persönlich. Ein Spaziergang durch Baden und seine nähere Umgebung mit zufälligen Stationen – Mayerling, Gutenstein, Gumpoldskirchen (…), 1978
—, Hilde Schmölzer: Österreich in Farbe, 1983
—, Hilde Schmölzer: Österreich. Natur, Kunst, Kultur, 1983
—, Harry Weber (Ill.): Hellbrunn – ein Fest, 1987
Sherlock Holmes und das Geheimnis der Sachertorte. Roman, 1988
—, Christoph Wagner: Köchelverzeichnis. Rezepte aus der Mozartzeit, 1990
Auf den Spuren der Habsburger, 1992
Die Habsburger in Tirol. Geschichte und Wirkung, 1992
Christiane Hörbiger. Eine Biographie aus der Nähe, 1993
Sisi goes Baden. In: Tina Kosak (Hrsg.), Friederike Anders (Illustr.): Sisi – Sisismus, Sisismen. Geschichte – Mythos – Gegenwart, eine Ausstellung internationaler zeitgenössischer Kunst zum Thema Kaiserin Elisabeth von Österreich in Verbindung mit Gegenständen aus ihrem persönlichen Besitz. Galerie Menotti, Baden, 17. Mai bis 19. September 1998, 1998
János Kalmar (Bild), — (Wort): Budapest Wien 2000. Ausgabe zu Ehren der Jahrtausendwende, 1999
Otto von Habsburg. Ein Kampf um Österreich 1938–1945, 2001
Ach, wer da mitreisen könnte. Reisen im Biedermeier, 2001
„Nur Venedig ist ein bissl anders“. Geschichten und Anekdoten aus einer besonderen Stadt, 2002
Wünschen zu speisen? Ein kulinarischer Streifzug durch die Länder der österreichischen Monarchie, zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage, 2003 (erste Auflage: 1996)
Österreich ist ein bissl anders. Geschichten und Anekdoten aus einem besonderen Land, 2003
Mein Salzkammergut. Auf den Spuren der Habsburger, 2005
— (Hrsg.), Klaus Seitz (Illustr.): Es wird ein Wein sein. Beseligende Geschichten, 2005
Alles Wein! Literatur & Karikatur, 2006
Sammelsurium Austriacum. Was Sie über Österreich wirklich nicht wissen müssen, 2006
O Du mein Österreich! 100 Begegnungen mit einem geliebten Land, 2006
Sherlock Holmes und das Geheimnis von Mayerling, 2008
Venedig für Fortgeschrittene. Bon di, Venezia cara, 2009
—, Klaus Seitz (Illustr.): Venezianische Kurzgeschichten, 2009
Kaiser, Gärtner, Kapitän. die Habsburger und ihre Berufe, 2010
Gottfried Allmer, Josef Riedmann, —: Alois Hörbiger (1810–1876). Der Orgelbauer von Tirol, 2010
Franz Liszt. Vom Dorf in die Welt, 2011
Viva l’Italia. Erlebtes, Erdachtes, Erlesenes, 2012
Gerhard Trumler, — (Hist. Text): Thermalbad Vöslau. Ein Bad für alle Jahreszeiten. Frühlingsluft, Sommertraum, Herbstblätter, Wintermärchen, 2013
Die Donau. Geschichte und Geschichten vom großen Strom, Amalthea, Wien 2013
Mörderisches Venedig. Die dunkle Seite der Serenissima, Amalthea, Wien 2014
Von St. Stephan nach St. Marx: die Wiener Bezirke I, II und III; Wiener Geschichten für Fortgeschrittene, Amalthea, Wien 2015

Filmographie

2000 Julia - Eine ungewöhnliche Frau (TV Serie)
2000 Kommissar Rex
1994 Tafelspitz
1973 Frauenmord _(“Tatort”)
1973 Hallo - Hotel Sacher... Portier! (TV-Serie)
1972 Die Angst des Tormanns beim Elfmeter
1972 Libussa
1971 Die heilige Johanna
1970 Der Weyland Kasperl
1968 Laubenkolonie

Auszeichnungen (Auswahl)

2006: Großes Verdienstzeichen des Landes Niederösterreich
2012: Buchpreis der Wiener Wirtschaft
2015: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien

Tod in Folge einer Lungenembolie

Gerhard Tötschinger erlag am 10. August 2016 einer Lungenembolie. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seiner Lebensgefährtin Christiane Hörbiger auf Urlaub in St. Gilgen.

Das Familiengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, ehrenhalber gewidmet

Weblinks

Wir erinnern uns

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